Lichtaufbau für Produktfotos zu Hause: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

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Aufbau für ein Produktshooting mit Leuchten vor weißem Hintergrund

Licht ist die halbe Miete

Werden zwei Fotos mit demselben Produkt, derselben Kamera und demselben Hintergrund aufgenommen, entscheidet meist das Licht über den Unterschied. Hartes, ungerichtetes Licht erzeugt harte Schatten, Reflexe und Farbverschiebungen. Weiches, kontrolliertes Licht bringt Form, Struktur und echte Farbe des Produkts zur Geltung.

In diesem Ratgeber beschreiben wir einfache Aufbauten für zu Hause. Falls Sie die allgemeinen Grundlagen noch nicht kennen, empfehlen wir zuerst unseren Beitrag zu den Grundlagen der Produktfotografie im E-Commerce.

Mit Tageslicht beginnen

Am einfachsten starten Sie ohne Budget mit Fensterlicht. Ideal ist ein helles Fenster ohne direkte Sonne, etwa nach Norden ausgerichtet oder an einem bewölkten Tag. Stellen Sie das Produkt nah ans Fenster, sodass das Licht seitlich darauf fällt.

  • Bei direktem Sonnenlicht hängen Sie einen dünnen weißen Vorhang oder Transparentpapier vor das Fenster.
  • Stellen Sie gegenüber dem Fenster eine weiße Schaumstoffplatte auf, um die Schattenseite aufzuhellen.
  • Farbe und Richtung des Lichts ändern sich im Tagesverlauf; fotografieren Sie eine Produktgruppe daher im selben Zeitfenster.
  • Schalten Sie andere Lampen im Raum aus, damit sich keine Lichtquellen mit unterschiedlicher Farbtemperatur mischen.

Der größte Nachteil von Tageslicht ist seine Unbeständigkeit. Wenn Sie viele Produkte fotografieren oder abends arbeiten, lohnt sich der Umstieg auf künstliches Licht.

Ein sauberer Aufbau mit einer Leuchte

Mit einem Dauerlicht wie einem LED-Panel oder einer Softbox sehen Sie das Ergebnis schon vor der Aufnahme. Der Grundaufbau mit einer Leuchte sieht so aus:

  1. Stellen Sie das Produkt auf einen Tisch mit einem gebogenen (nahtlosen) Papierhintergrund dahinter.
  2. Positionieren Sie die Leuchte links oder rechts vor dem Produkt, etwa im 45-Grad-Winkel und leicht von oben.
  3. Setzen Sie einen Diffusor vor die Leuchte oder verwenden Sie eine Softbox.
  4. Stellen Sie auf der Gegenseite einen weißen Reflektor auf, um die Schatten aufzuhellen.
  5. Befestigen Sie die Kamera auf einem Stativ und justieren Sie den Abstand der Leuchte mit einigen Testaufnahmen.

Je näher die Lichtquelle am Produkt ist, desto weicher wirkt das Licht; je weiter entfernt, desto härter. Die Größe der Lichtquelle im Verhältnis zum Produkt prägt den Charakter des Lichts maßgeblich.

Zwei-Licht-Aufbau und Hintergrundbeleuchtung

Soll der Hintergrund völlig gleichmäßig und schattenfrei wirken, ergänzen Sie eine zweite Leuchte. Das Hauptlicht beleuchtet das Produkt, das zweite Licht den Hintergrund und reduziert graue Schatten hinter dem Produkt.

Überbelichten Sie den Hintergrund nicht: Ein zu heller Hintergrund kann auf die Produktkanten überstrahlen und feine Details auslöschen. Prüfen Sie nach der Aufnahme das Histogramm, damit der Hintergrund weiß und das Produkt detailreich bleibt.

Glänzende und spiegelnde Produkte: Schmuck, Glas und Metall

Schmuck, Uhren, Glasflaschen oder Metalloberflächen spiegeln alles in ihrer Umgebung. Hier geht es nicht darum, die Lichtquelle, sondern die Spiegelungen zu kontrollieren.

  • Umgeben Sie das Produkt mit weißen Schaumstoffplatten, um saubere, gleichmäßige Spiegelungen zu erzeugen.
  • Setzen Sie mit schwarzen Kartonstücken kontrollierte dunkle Linien an Metallkanten, um die Form zu betonen.
  • Probieren Sie bei Produkten mit Steinen eine kleine, harte Zusatzleuchte für mehr Funkeln.
  • Platzieren Sie die Kamera leicht schräg statt frontal, damit Ihr eigenes Spiegelbild nicht erscheint.
  • Fingerabdrücke sind hier sehr sichtbar; fassen Sie die Produkte mit Handschuhen an und wischen Sie sie direkt vor der Aufnahme ab.

Schatten als Werkzeug nutzen

Ziel ist es nicht, Schatten vollständig zu entfernen. Ein weicher, natürlicher Schatten unter dem Produkt zeigt, dass es auf einer Fläche steht, und verleiht dem Bild Tiefe. Ein völlig schattenloses Produkt kann künstlich wirken, als würde es schweben.

Die Härte des Schattens hängt von Größe und Abstand der Lichtquelle ab: Eine große, nahe Quelle erzeugt weiche Übergänge, eine kleine, entfernte Quelle harte Kanten. Bleibt die Schattenrichtung innerhalb einer Produktgruppe gleich, wirken die Bilder Ihres Shops einheitlich.

Günstige Alternativen zur Ausrüstung

Bevor Sie ein professionelles Lichtset kaufen, können Sie mit vorhandenen Materialien experimentieren:

  • Statt Diffusor: weiße Gardine, Transparentpapier oder Backpapier
  • Statt Reflektor: weiße Schaumstoffplatte, Karton oder eine mit Alufolie beklebte Platte
  • Statt Hohlkehle: ein großes Blatt dickes Papier, an Wand und Tisch festgeklebt
  • Für kleine Produkte: ein faltbares Lichtzelt
  • Statt Stativ: ein stabiler Bücherstapel und der Selbstauslöser des Smartphones

Weißabgleich und Farbkonsistenz

Der automatische Weißabgleich kann bei jeder Aufnahme kleine Änderungen vornehmen, sodass dasselbe Produkt auf zwei Fotos unterschiedlich aussieht. Stellen Sie den Weißabgleich manuell auf Ihr Licht ein. Eine Testaufnahme mit einer grauen oder weißen Referenzkarte im Bild erleichtert später die korrekte Farbbearbeitung.

Wichtig ist auch, dass alle Lichtquellen dieselbe Farbtemperatur haben. Mischen Sie keine tageslichtabgestimmten LEDs mit gelblichen Haushaltslampen.

Checkliste vor dem Shooting

  • Ist das Produkt sauber, gebügelt und sitzen die Etiketten gerade?
  • Haben alle Lichtquellen dieselbe Farbtemperatur?
  • Ist die Kamera stabil und der Weißabgleich manuell eingestellt?
  • Ist der Hintergrund faltenfrei und füllt er den Bildausschnitt aus?
  • Sind Schatten und Spiegelungen in der Testaufnahme unter Kontrolle?

Fazit und nächster Schritt

Schon mit einem einfachen Fenster oder einem einzigen LED-Panel gelingen einheitliche, saubere Produktfotos. Ein gut ausgeleuchtetes Ausgangsfoto bestimmt zudem direkt die Qualität aller weiteren Bearbeitungsschritte.

Wenn Sie den Hintergrund Ihrer Fotos durch eine exakte HEX-Farbe ersetzen oder Model- und Lifestyle-Bilder erstellen möchten, lesen Sie unseren Beitrag Produktfotos mit KI bearbeiten oder kontaktieren Sie uns mit Ihren Fragen.

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